Gesundheitssystem

Das deutsche Gesundheitswesen oder -system regelt die Beziehungen zwischen Ärzten, Apothekern und Pflegepersonal sowie die Organisationen und Prozesse, welche die Förderung und Erhaltung der Gesundheit zur Aufgabe haben.

Finanzierung des Gesundheitssystems

Es gibt drei Modelle, ein Gesundheitssystem zu organisieren. Im Rahmen eines nationalen Gesundheitsdienstes, wie er etwa in Irland oder Dänemark existiert, werden alle Kosten und Leistungen aus Steuermitteln finanziert. In den USA ist das Gesundheitssystem privat finanziert, die Krankenversicherung läuft auf freiwilliger Basis. Das deutsche Gesundheitswesen ist nach dem Solidaritätsprinzip organisiert. Der größte Teil der Deutschen ist Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung und zahlt abhängig von der Höhe des Einkommens seine Beiträge. Die späteren Leistungen sind unabhängig von den Beitragszahlungen. Etwa elf Prozent der Deutschen sind in privaten Krankenversicherungen Mitglied, darunter auch Selbstständige. Hier richtet sich der monatliche Beitrag nach dem Gesundheitszustand, dem vereinbarten Leistungsumfang, bestimmten Risikofaktoren und dem Geschlecht. Bundeswehrangehörige, Sozialhilfeempfänger und andere Bevölkerungsgruppen sind anderweitig versichert. Immer wichtiger werden Zusatzbeiträge der Krankenkassen sowie individuelle Zusatzzahlungen für alternative Heilverfahren und ästhetisch-chirurgische Behandlungen.

Ziele des Gesundheitssystems

Das Gesundheit-System verfolgt verschiedene Ziele, die nicht alle gleichermaßen erfüllt sind. So sollten allen Deutschen Gesundheitsleistungen unabhängig von Einkommen und Status zugänglich sein. Dabei muss eine schnelle und wirksame Behandlung (Leistungsfähigkeit) sowie die Wirtschaftlichkeit – dem Verhältnis von Kosten und Nutzen – gewährleistet sein. Wichtige Elemente beinhalten des Weiteren die Finanzierbarkeit der Leistungen, die sogenannte Bedarfsgerechtigkeit sowie das Beachten der individuellen Bedürfnisse der Versicherten. Ebenfalls sollten die finanziellen Lasten gerecht verteilt sein. Im Jahr 2000 legt die WHO, die Weltgesundheitsorganisation, einheitliche Ziele für alle Gesundheitssysteme fest. Ein Jahr später definierte auch die EU-Kommission gemeinsame Ziele für Gesundheitswesen und die Altenpflege.

Der Aufbau des deutschen Gesundheitssystems

Innerhalb des deutschen Gesundheitssystems gibt es viele Beteiligte, die alle unterschiedliche Funktionen einnehmen. Dazu gehören die Leistungsempfänger, die Leistungserbringer – dazu gehören Ärzte und Apotheker – sowie die sogenannten Leistungsfinanzierer. Dazu gehören die freiwillig Versicherten, Arbeitgeber und die gesetzlich Versicherten. Als letzte Gruppe unterscheidet man die Leistungszahler: Dazu gehören die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen, die Unfall- und Rentenversicherungen, die kassenärztlichen Vereinigungen sowie staatliche Beihilfestellen. Der Staat nimmt im Gesundheitssystem eine überwachende Funktion ein, etwa in Form von Gesundheitsämtern. Daneben gibt es Interessensverbände und Selbsthilfeorganisationen.

Zustand des Gesundheitssystems und Reformen

Im Laufe der Jahre durchlief das deutsche Gesundheitssystem mehrere Reformen. Diese hatten in der Regel zum Ziel, den einkommensabhängigen Beitragssatz stabil zu halten. In den letzten Jahrzehnten wird das Problem demografischer Wandel, steigende Kosten durch medizinischen Fortschritt immer akuter, hinzu kommen immer mehr chronisch Erkrankte, die das Gesundheitssystem belasten. Die aktuellste Gesundheitsreform trat am 1. Januar 2011 in Kraft.