Geschichte der Germanen

Die Geschichte des deutschen Volkes beginnt mit den germanischen Stämmen der Antike. Über sie ist wenig bekannt, unser Wissen stützt sich auf die erhalten gebliebenen griechischen und römischen Quellen. Als die Grenzen des Römischen Reiches sich an das Gebiet des heutigen Deutschlands annäherten, kam es zu kulturellem Austausch und schließlich militärischen Konflikten, jedoch konnten die Germanen ihre Unabhängigkeit vor den Römern bewahren. Eine längere Periode der relativen Stabilität endete um das Jahr 375 herum, als das Reitervolk der Hunnen in Mitteleuropa einfiel und damit die Völkerwanderung auslöste. Die Stämme, die vorher auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands gesiedelt hatten, überquerten den Rhein und brachten schließlich das Weströmische Reich zu Fall.

Frühes Mittelalter

In die verlassenen germanischen Siedlungsgebiete rückten slawische Stämme nach, sodass bis ins hohe Mittelalter im Osten Deutschlands slawische Sprachen gesprochen wurden. Der westliche Teil Deutschlands, sowie der größte Teil Westeuropas, wurde ab dem 6. Jahrhundert vom Frankenreich erobert. Ansässige Stämme, wie etwa die Sachsen, wurden unterworfen und zum Christentum bekehrt. Als das Frankenreich seine größte Ausdehnung erreichte, zerfiel es nach dem Tod Karls des Großen im Jahr 843, und wurde auf seine drei Enkel aufgeteilt. Der Ostteil des Frankenreiches gewann durch die Teilung zunehmend Autonomie und eine gemeinsame Identität, und mithilfe der Kirche wurde schließlich im Jahr 962 Otto I. als der erste deutsche Kaiser vom Papst gekrönt.

Hoch- und Spätmittelalter

Die Autorität der Päpste, den deutschen Kaiser zu ernennen, sorgte immer wieder für Konflikte, da mancher deutscher Herrscher sich der Kirche nicht mehr unterordnen wollte. Zwar wurde das Reich immer mächtiger, 1032 wurde Burgund, 1164 Mecklenburg und Pommern erobert, aber diese Macht rief Missgunst und Rivalität auf den Plan. Reichsfürsten, Kaiser und die Kirche wetteiferten um Einfluss, oft kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Der Einfluss der Kaiser schwand durch diese Konflikte kontinuierlich, gleichzeitig erweiterten die Reichsstädte ihre Unabhängigkeit, ein selbstbewusstes Bürgertum entwickelte sich. In dem Versuch, das Kaisertum zu stabilisieren, erließ Kaiser Karl die Goldene Bulle, eine Art frühes Grundgesetz.

Neuzeit

Mit der Veröffentlichung seiner 95 Thesen leitete Martin Luther 1517 die Reformation ein. Da das Reich ständig in Kämpfen mit Frankreich, den Osmanen und dem Papst stand, konnte kein Herrscher ihre Verbreitung verhindern. 1546 kam es im Schmalkaldischen Krieg erstmals zum Kampf der Katholiken gegen die Protestanten. Die Konflikte eskalierten, bis schließlich 1618 der Dreißigjährige Krieg ausbrach. Viele Gebiete mussten in der Folge an Nachbarstaaten abgegeben werden, die sich in selbstbewusste Nationalstaaten verwandelten. Das Reich jedoch war ein Gebilde aus 382 mehr oder weniger selbstständigen Gebieten, das sich mehr als 100 Jahre von den Kriegsfolgen erholen musste. Ab 1640 folgte der Aufstieg Preußens, das seine Macht und sein Territorium in späteren Konflikten kontinuierlich vergrößern konnte. 1791 schloss es sich der Koalition gegen die Französische Revolution an und unterlag schließlich 1806 Napoleon, der daraufhin das Heilige Römische Reich auflöste. Die Siege gegen Napoleon bis 1815 weckten das deutsche Nationalgefühl. Erste Versuche der Deutschen, eine nationalstaatliche Verfassung durchzusetzen, scheiterten zunächst. Erst Bismarck gelang es, durch kluge Innenpolitik und außenpolitische Schachzüge und Kriege, 1871 ein vereintes deutsches Reich zu schaffen. Übersteigertes Nationalbewusstsein und überzogene Ambitionen des Kaisers führten in den Ersten Weltkrieg, der Europa ruinierte und Deutschland eine demütigende Niederlage bescherte. Die Zeit als Republik währte für Deutschland nicht lange, bis wieder fehlgeleitetes Nationalgefühl zur Nazidiktatur führte, die Deutschland schließlich 1939 in den Zweiten Weltkrieg stürzte. Bis zum Sturz der Nazis 1945 bis zum Fall des Eisernen Vorhangs 1989 stand sich ein zweigeteiltes Deutschland unter westlichem und unter sowjetischem Einfluss feindlich gegenüber. Dann endlich nach der friedlichen Wiedervereinigung fand Deutschland seinen Platz unter den Völkern Europas als geachtetes und respektables Mitglied der Gemeinschaft.