Die Varusschlacht

Im Herbst des Jahres 9 nach Christus besiegten und vernichteten die Krieger einer germanischen Stammeskoalition unter Arminius die Legionen des Publius Quinctilius Varus. Ihr Sieg war so vollständig, dass nur wenige Überlebende Römer vom Schlachtfeld entkamen. 20000 Soldaten, sowie mehrere Tausend Angehörige des Nachschubtrosses, fanden ihr Ende. Im Folgenden soll geklärt werden, wie es den Germanen – die von den Römern nur als primitive Barbaren angesehen wurden – eine solch schlagkräftige Armee zu zerstören.

Wer war Varus?

Die drei Legionen des Varus waren Teil der Besatzungstruppe, welche die neue römische Provinz Germanien bewachten. Im Jahr der Niederlage war Varus als Statthalter Germaniens mit den drei Legionen XVII, XVIII und XIX tief in seiner Provinz unterwegs, um Polizeiarbeit zu verrichten, Steuern einzutreiben und Recht zu sprechen. Das Land und seine Bewohner sollten romanisiert werden, in den frisch eroberten Gebieten rechts des Rheins entstanden schon erste römische Städte, der Handel entwickelte sich. Für die meisten Germanen jedoch waren die Römer nur Besatzer, die ihr Land ausbeuteten und ihre Freiheit beschnitten. Der Cheruskerfürst Arminius vermochte es, sich die Unzufriedenheit und Freiheitsliebe seiner Landsleute zunutze zu machen, um sie vereint zum Aufstand aufzustacheln. Arminius kam in seiner Kindheit als Geisel nach Rom, eine damals übliche Praxis, um Friedensverträge zu bekräftigen. Seine Ausbildung und der Dienst in der römischen Armee verschafften ihm Kenntnisse über das römische Militär. Diese Kenntnisse würde er schließlich gegen die Römer selbst anwenden.

Anfänge der Varusschlacht

Nachdem Varus´ Legionen ihren Garnisonsdienst im tiefen Germanien verrichtet hatten, war es Zeit, in das sichere Winterlager links vom Rhein zurückzukehren. Dort würden sie sich hinter sicheren Festungsmauern ausruhen und sich auf Feldzüge im neuen Jahr vorbereiten. Sie ahnten nicht, dass Arminius, welcher in Varus´Armee eine Einheit Hilfstruppen befehligte, inzwischen mit germanischen Fürsten eine Allianz geschmiedet hatte. Durch seine adlige Stellung, seine Kenntnis über die Römer, und seinen Plan, wie man sie schlagen könne, überzeugte er seine Landsleute, ihm zu folgen. Diese organisierten einen Volksaufstand, den Varus mit seinen Legionen schnell unterdrücken wollte. Dazu musste er den Weg ins Winterlager verlassen und sein Heer durch eine unwegsame Waldgegend führen. Das war die Stelle, an dem Arminius´ Plan aufging und die Falle für die Römer zuschnappte.

Weiterer Kampfverlauf

Arminius wusste, dass die römische Armee im offenen Feld unbesiegbar war. Jeder Legionär war ein bestens trainierter, abgehärteter Berufssoldat. Ihre Ausrüstung und Kampftechnik waren allen anderen Armeen dieser Zeit überlegen. Aber auf ihrem Marsch durch den dichten Urwald Germaniens war die Armee der Römer eine 20 Kilometer lange Kolonne, die sich mühsam durchs Unterholz schlängelte. Sie führten zudem einen langen Versorgungstross mit sich, der mit Tausenden Tieren, Wagen sowie Frauen und Kindern den Vormarsch weiter verlangsamte. Dadurch war die Armee verwundbar, da es unmöglich war, die bewährte Kampfformation einzunehmen. Die ortskundigen Germanen konnten sich leicht an diese Kolonne heranschleichen und sie angreifen. Weil auf den engen Wegen nur drei Männer nebeneinander marschierten, waren die Römer nicht stark genug, den Germanen Widerstand zu leisten. Die Germanen konnten die Römer aus dem Dickicht mit Wurfgeschossen dezimieren und sich wieder zurückziehen, sobald diese sich zur Gegenwehr gesammelt hatten. Dies wiederholten die Germanen den ganzen Tag lang, bis die Römer endlich ihren Lagerplatz für die Nacht erreichten, wo sie eine provisorische Festung errichteten.

Sieg der germanischen Armeen

Die römischen Chronisten sind sich einig, dass der Feldherr Varus die Schuld an dem folgenden Untergang der Legionen trägt. In Panik versetzt durch die hohen Verluste, ließ er am nächsten Tag den Versorgungstross verbrennen und alle Zivilisten im Lager zurücklassen. Er wollte so schnell wie möglich mit dem Rest seiner Armee auf das sichere Territorium links des Rheins flüchten. Diese Entscheidung besiegelte sein Ende, da Arminius dieses Verhalten vorausgesehen hatte. Er wiederholte einfach seine Taktik und brachte den Römern wieder einen ganzen Tag lang schwere Verluste bei. Am dritten Tag schließlich waren die Römer so erschöpft und dezimiert, dass es den Germanen endlich gelang, sie völlig zu vernichten. Varus und seine Offiziere begingen Selbstmord und die Germanen zerstörten ungestraft die römischen Stützpunkte rechts des Rheins. Nie wieder gelang es den Römern, diese Gebiete unter ihre Herrschaft zu bringen. Die Germanen hatten erfolgreich ihre Freiheit verteidigt.