Völkerwanderung

Schon lange vor dem Beginn der eigentlichen Völkerwanderung kam es immer wieder zu Wanderungsbewegungen großer germanischer Stämme ins römische Reichsgebiet. So mussten die Römer im 2. Jahrhundert v. Chr. den Zug der Kimbern und Teutonen aufhalten. Die nächste große Wanderbewegung wurde durch die Goten ausgelöst, die im 2. Jahrhundert n. Chr. aus dem Gebiet der Weichsel ans Schwarze Meer zogen. Sie verdrängten von dort die Vandalen und Markomannen sowie die Burgunden, die ihrerseits westwärts zogen und so die Markomannenkriege auslösten, in denen Rom die Germanen nur mit Mühe abwehren konnte. Schließlich erschien ein noch mächtigeres Wandervolk, die Hunnen, in Europa, die ihrerseits wiederum Wanderbewegungen benachbarter Völker auslösten.

Die Goten im Imperium Romanum

Die Goten waren eines der Völker, die von den Hunnen von ihrem Siedlungsplatz verdrängt wurden. Sie stießen auf römisches Gebiet vor, was die Römer nicht mehr verhindern konnten. Stattdessen bot man ihnen an, in der Grenzregion zu siedeln und dort die Verteidigung der Reichsgrenze zu übernehmen. So strömten im Jahr 376 viele Tausend terwingische Goten und Angehörige anderer Stämme auf römisches Gebiet. Die Integration der Goten gelang den Römern jedoch nicht. Die Germanen rebellierten gegen ihre römischen Herren und zogen plündernd durch die Balkanprovinzen. In der Schlacht von Adrianopel im Jahr 378 besiegten sie ein großes oströmisches Heer und töteten Kaiser Valens. Schließlich handelte der nachfolgende Kaiser mit den Goten einen Vertrag aus, der die gotischen Krieger unter die Kontrolle Roms stellte. Die Goten mussten fortan in vielen Feldzügen gegen einfallende Barbaren kämpfen, bis sie schließlich wieder rebellierten, in Italien einfielen und schließlich im Jahr 410 sogar Rom eroberten und plünderten. Danach zogen sie sich vorläufig aus Italien zurück, um dann später auf italienischem Gebiet ihr ostgotisches Reich zu schaffen.

Zusammenbruch der Rheingrenze

Im Jahr 406 überschritten mehrere barbarische Stämme den Rhein bei Mogontiacum, dem heutigen Mainz. Vandalen, Sueben und Alanen drangen in das Innere Galliens vor und richteten schwere Verwüstungen an. Rom war derzeit mit der Abwehr der Ostgoten beschäftigt und hatte keine Truppen, um dem Einfall entgegenzutreten. In ihrer Not versprachen die Römer den Goten abermals Siedlungsgebiete im Römischen Reich und benutzten sie, um die Lage in Gallien vorübergehend zu stabilisieren. Die Vandalen, Sueben und Alanen hatten sich inzwischen größtenteils in die Provinz Hispanien abgesetzt, wo sie ungehindert plünderten und sich schließlich niederließen. Von dort wurden sie kurz darauf von den Goten vertrieben und setzten über die Straße von Gibraltar nach Afrika über, das sie der römischen Kontrolle entrissen und im Jahr 442 vertraglich zugesprochen bekamen.

Die Hunnen und der Untergang des Westreichs

Nachdem Atilla die Herrschaft über die Hunnen antrat, trat die aggressive Expansion in Richtung des Römischen Reichs in eine neue Phase. 447 unternahm er einen Feldzug bis nach Griechenland und zwang das Oströmische Reich zu Tributzahlungen. Als die Tributzahlungen schließlich verweigert wurden, fiel Attila im Jahr 451 zusammen mit vielen unterworfenen tributpflichtigen Völkern in Gallien ein. In der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern wurde er von den Römern und ihren verbündeten Germanen geschlagen und wandte sich daraufhin nach Italien, von wo er sich nach anfänglichen Erfolgen jedoch zurückziehen musste, nachdem Ostrom sein Territorium angegriffen hatte. Kurz darauf starb Attila und sein Reich zerfiel schneller, als es aufgebaut worden war. Die von den Hunnen zuvor unterworfenen Völker drängten wieder in Richtung des sich auflösenden Weströmischen Reichs. Römische Generäle waren zumeist Anführer barbarischer Stämme, die Soldaten größtenteils germanische Krieger. Mit dem Zerfall der Autorität des römischen Kaisers fielen immer mehr ehemalige Provinzen vom Reich ab und bildeten autonome Reiche, bis schließlich nur noch Italien selbst übrig blieb. Nachdem auch dort im Jahr 489 die Goten die totale Kontrolle übernommen hatten, waren die letzten Reste der weströmischen Macht erloschen.