Germanische Mythologie

Die Kenntnisse der germanischen Mythologie sind bestenfalls begrenzt. Nur für die nordische Sagen- und Götterwelt liegen fundierte Zeugnisse in Form der Edda vor, angelsächsische, sächsische und friesische Traditionen werden im großen Beowulf Epos deutlich. Weitere Anhaltspunkte bieten Runeninschriften, Texte antiker Autoren wie Tacitus sowie wissenschaftliche Untersuchungen. Auch Grabsteine, Kultstätten und Opfergaben geben Aufschluss über die germanische Mythologie.

Germanische Götter- und Sagenwelt

Ähnlich des antiken Pantheon mitsamt seiner Hauptgötter Zeus, Hera, Poseidon, Athene und Apollon existierte auch bei den Germanen eine komplexe Götterwelt. Hier ist Odin der Hauptgott, der Göttervater, seine Gattin ist Frigg. Entsprechend den unterschiedlichen Bedürfnissen der Menschen gab es ganz unterschiedliche Gottheiten. Ähnlich dem Christentum war auch schon die Vorstellung von Himmel und Hölle verbreitet. Neben den Göttern und den Menschen gab es in der germanischen Sagenwelt aber auch Zwerge und Riesen. Letztere werden oft als Thursen bezeichnet und sind bedrohlich und allen Bewohnern der menschlichen und göttlichen Welt feindlich gesinnt. Im finalen Kampf Gut gegen Böse kommt es im Ragnarök zur Auseinandersetzung zwischen Göttern und Riesen. Diese erinnert stark an die Apokalypse in der Bibel. Auch andere Motive sind teils von christlichen Motiven geprägt.

Germanische vorchristliche Religionen

Schon lange vor der Entstehung des Christentums entstanden Religionen, man nennt sie heute verallgemeinernd Paganismus oder Heidentum. Meist waren die germanischen Religionen polytheistisch sowie an den Glauben an Magie und Geister geprägt. Es fanden kultische Feste statt, das bekannteste von ihnen ist das Mittsommerfest. Auf gemeinsamen Veranstaltungen wurden Opfertiere, meistens Pferde, beigebracht, um eine gute Ernte, Frieden oder gutes Wachstum zu fördern. Auch auf häuslicher Ebene fanden kultische Riten statt, etwa wenn ein Kind geboren wurde, das in die Gemeinschaft aufgenommen werden sollte. Später fand eine Umdeutung der paganen, germanischen Religion in einen nationalistischen Zusammenhang statt. Im Rahmen der völkischen Bewegung entstanden deutsch- und germanischgläubige Gemeinschaften, die sich bewusst vom Christentum abwanden. Diese rechte Esoterik verband rassistisches Gedankengut mit germanischer Mythologie. Entwickelt wurden diese „Ariosophie“ von Guido von List und Jörg Lanz. Noch heute besinnen sich viele Menschen auf vorchristliche Religionen zurück, meist mit germanischen Vorbildern. Die größte pagane Religion ist heute Wicca, die dem weiblichen Prinzip huldigt und die Natur als heilig ansehen.

Germanische Heldensagen

Mit dem jungen Krieger Beowulf findet sich einer der bekanntesten germanischen Helden. Daneben finden sich in der Edda viele weitere Sagen und Lieder ruhmreicher Taten. Eine der größten Liederreihen behandelt den Nibelungensagenkreis. Auch Wieland der Schmied, Dietrich von Bern und Fafnir sind bedeutende germanische Helden, die alle Werte der germanischen Kriegertradition verdeutlichen: Mut, Ehre und Tapferkeit. Beowulf und Co. legen den Grundstein weiterer Heldensagen wie der Gudrunsage und dem Hildebrandslied.