Germanische Sagen

Ähnlich des Märchens, entstanden schon in früher Zeit Sagen, die sich Menschen am Lagerfeuer erzählten. Mündlich wurden die Sagen immer weiter getragen, bis sie schließlich schriftlich fixiert wurden. Der ursprüngliche Verfasser ist meist unbekannt, meist sind Sagen eine Mischung verschiedener Einflüsse. So auch die germanischen Sagen, in denen die Germanen versuchten, sich die Welt zu erklären. Neben dem Leben der Götter und Menschen entstanden hier auch die Geschichten bekannter Helden, die bekanntesten germanischen Heldensagen sind Beowulf, das Nibelungenlied sowie die skaldischen Dichtungen.

Die germanische Schöpfungsgeschichte

In vielen Sagen beschäftigten sich die Menschen mit der Entstehung der Welt, der Götter sowie der Menschen. In der Prosa-Edda beispielsweise kann man die Sage über die Entstehung des ersten Wesens nachlesen. Es existieren drei Varianten, wie das erste Wesen entstanden ist. Ymir, ein Wesen aus Wärme und Kälte sowie Feuer und Eis, findet man dabei am häufigsten. In einer anderen Variante entsteht aus den Eitertropfen der Élivágar, Urzeitflüsse, der Riese Aurgelmir. In der dritten Version wird das Wesen Tuisto aus der Erde geboren. Aus dem Urwesen entstehen wiederum die Riesen, diese zeugen die Götter. Die Welt entwickelt sich aus dem Körper des Urwesens, indem die Götter Ymir töten, entstehen die vielen Teile der Welt, Ymirs Blut bildet das Meer. Viele Schöpfungsmythen kennen das Motiv der vollständigen Zerstörung der Urwelt. In der germanischen Mythologie ertrinken die Riesen in Ymirs Blut, die christliche Entsprechung findet sich in der Sintflut.

Das Ragnarök

Nicht nur der Anfang der Welt wurde in Sagen weitererzählt, auch das Ende der Welt sowie der Götter war Thema in den germanischen Siedlungsgebieten. Die Sage vom Untergang nennt sich Ragnarök, sie wurde fälschlich als „Götterdämmerung“ übersetzt. Im finalen Kampf treten die Götter gegen die Riesen an, infolgedessen findet die germanische Welt ein Ende. Im Ragnarök finden sich erneut christliche Einflüsse, das Ende der Welt ist mit der Apokalypse vergleichbar, in der Gott gegen Satan, oder „Gut“ gegen „Böse“ antreten. Die Götterdämmerung wird später von Richard Wagner in der gleichnamigen Oper verarbeitet.

Die Edda und andere Überlieferungen

Als das Äquivalent zu den Grimmschen Märchen kann die Edda betrachtet werden. Hier sind altnordische Götter- und Heldensagen in altisländischer Sprache versammelt. Heute unterscheidet man zwei verschiedene Formen. Zum einen die Snorra-Edda, auch Prosa-Edda verfasst von dem Isländer Snorri Sturluson als ein Lehrbuch für die Skalden – höfische Dichter im mittelalterlichen Skandinavien. Man nennt sich auch jüngere Edda, da Snorri die ältere Form der Edda gekannt haben dürfte. In der Lieder-Edda, der älteren Edda, sind verschiedene Lieder niedergeschrieben worden, entstanden ist sie Ende des 13. Jahrhunderts. In der Lieder-Edda findet man beispielsweise den Helden Fafnir, eine Figur der nordischen Mythologie. Neben der Edda gibt es andere unbedeutendere Aufzeichnungen der germanischen Sagenwelt, darunter die Studien antiker Autoren wie Tacitus und Plutarch sowie die neun Bücher der dänischen Geschichte, das „Gesta Danorum“.