Nordgermanen

Zu den Nordgermanen zählt man die Stämme, die ihren Ursprung auf der dänischen Halbinsel haben, Angeln und Jüten sowie die in Südskandinavien beheimateten Ästier und Suitonen. Die Nordseegermanen, beziehungsweise Ostseegermanen werden teilweise auch den Nordgermanen zugerechnet. Sie kamen mit den Römern in Berührung. Schon Cäsar berichtet von ihnen in seiner Beschreibung des Krieges gegen die Gallier. Auch die Kimbern und Teutonen, deren Zug nach Gallien und Spanien von den Römern aufgezeichnet wurde, stammen ursprünglich aus Jütland. Sie fanden ihr Ende bei dem Versuch, nach Italien durchzubrechen und wurden völlig ausgelöscht. Auch der Stamm der Goten zählt zu der Gruppe, möglicherweise stammt er aus Südskandinavien oder der Insel Gotland. Auch dieser Stamm wurde in der Folge von den Römern komplett zerstört, seine Kultur und Sprache somit für die Nachwelt vernichtet.

Nordgermanen des Mittelalters

Die meisten nordgermanischen Stämme wurden in den Wirren der Völkerwanderungen ausgespaltet und zerstört. Weit bekannter als die Nordgermanen der Antike sind uns die Nordgermanen, die bis in das Mittelalter überlebten. Die Rede ist von den Wikingern Dänemarks, Skandinaviens und Islands. Vermutlich leitet sich das Wort Wikinger von dem altnordischen Wort „vikingr“ ab, was soviel bedeutet wie „Seekrieger, der sich auf langer Fahrt weit von der Heimat entfernt“. Informationen aus erster Hand liefern die Runensteine, welche in Dänemark und Skandinavien noch heute zu finden sind. Es sind große Steine, in die Runen und auch Bilder eingemeißelt sind. Die Runen erinnern an die Taten verstorbener Wikinger oder enthalten Motive aus der germanischen Mythologie. So kann man zum Beispiel auf einem Stein bei Stockholm über den schwedischen Wikinger Ulf lesen, der dreimal in England Tributgeld erhalten hat. Weiterhin berichten mittelalterliche Chroniken von den zahlreichen Raubzügen der Wikinger, die in der sogenannten Wikingerzeit den Nord- und Ostseeraum heimsuchten, um zu plündern und Beute zu machen.

Raubzüge in der Wikingerzeit

In den mittelalterlichen Quellen wird die Bezeichnung Wikinger oft abwertend gebraucht, was daher rührt, dass sie gerne Kirchen und Klöster angriffen, welche von gottesfürchtigen Kriegsherren normalerweise geschont werden mussten und für die Nordmänner leichte Beute waren. Oft wird die große Grausamkeit der barbarischen Wikinger besonders erwähnt. Laut den Quellen trieben sie ihr Unheil in England und Schottland, Irland und an den französischen Küsten. Allerdings waren beileibe nicht alle Skandinavier und Dänen vagabundierende Räuber, es hat sich dabei immer nur um einen kleinen Teil der Bevölkerung gehandelt, der auch bei der Heimatbevölkerung nicht immer gut angesehen war. Besonders mit dem Erstarken der Königsmacht im Heimatland und der eingehenden Christianisierung kamen die Raubzüge langsam zu Ende. Die Räuberbanden setzten sich in eroberten Ländern zur Ruhe und wurden von der einheimischen Bevölkerung assimiliert.