Alte Herren

Als Alte Herren bezeichnet man ehemalige Studenten einer Verbindung, sie werden auch als Philister, in Bayern als Corpsphilister bezeichnet. Gemeinsam bilden alle Alten Herren das Philisterium, meist in Form des Altherrenvereins. Voraussetzung für die Aufnahme in das Philisterium ist ein fester Arbeitsplatz. Entsprechend der Rezeption bei den Füchsen gibt es auch die Philistration oder Philistrierung – die feierliche Aufnahme in den Altherrenstand.

Die Philister im Laufe der Geschichte

Der Begriff Philister entspringt dem Gegensatz zur typischen Lebenseinstellung der aktiven Burschen. Während sie den gesellschaftlichen Veranstaltungen und Feiern einen hohen Stellenwert einräumen, legen die Alten Herren eine verachtenswerte Geisteshaltung an den Tag. Lebensfreude und der Sinn für alles Schöne seien bei ihnen nicht genug ausgeprägt, „philiströs“ stand „burschikos“ gegenüber. Der Name Philister selbst bezieht sich auf den Streit zwischen Hebräern und Philistern im Alten Testament der Bibel. Später erhalten Spießbürger den Namen Philister, bevor er abwertend auf die Alten Herren angewandt wird.

Das Lebensbundprinzip

Dass es die Alten Herren überhaupt gibt, ist dem Lebensbundprinzip geschuldet. Dieses heute allen Studentenverbindungen gemeine Prinzip ist seit dem 19. Jahrhundert verpflichtend, zuvor gilt die Mitgliedschaft im Rahmen des Waffencorps, sie war auf die Zeit des Studiums beschränkt. Das Lebensbundprinzip ist eine Art umgekehrter Generationenvertrag und verpflichtet die Studierenden dazu, sich auch nach dem Abschluss aktiv für die Verbindung zu engagieren. Dieses Engagement kann sich etwa als finanzielle Unterstützung oder individuelle Beratung einzelner Studenten äußern. Innerhalb der Verbindung steht man für die Mitglieder ein, ob als Fuchs für die Burschen oder als Alter Herr für die Burschenschaft – diese Verpflichtung macht auch einen Großteil des Reizes aus. Jedoch muss heute niemand mehr bis zu seinem Lebensende Alter Herr bleiben. Mit Änderungen des Bürgerlichen Gesetzbuches ist es seit 1900 auch möglich, freiwillig aus der Verbindung auszuscheiden. Bei Fehlverhalten kann der Alte Herr ebenfalls ausgeschlossen werden.

Aufgaben der Alten Herren

Nach dem Abschluss des Studiums ist man gewöhnlich finanziell besser gestellt als ein Studierender, diese Tatsache macht sich die Verbindung zunutze. In der Regel leistet der Alte Herr einen Jahresbeitrag oder spendet regelmäßig für seine Verbindung. Zu den wichtigsten Leistungen gehört der Unterhalt des Verbindungshauses. Auch ein Amt im Altherrenverband ist möglich, dieses erfordert jedoch ein besonders hohes Maß an Engagement. Nach dem Abschluss tritt der Alte Herr in der Regel seinem Altherrenverein bei. Dieser ist basisdemokratisch aufgebaut und wird von einem Vorstand geleitet. Auf dem Altherrentag treffen sich alle Altherrenvereine eines Hochschulorts oder eines Dachverbands. Hier werden auch die Vorstände gewählt. Jegliche Aufgaben innerhalb des Altherrenvereins werden auf ehrenamtlicher Arbeit geleistet. Zu den Aufgaben gehören alle Belange der Altherrenschaft, manchmal muss der Altherrenverein auch Bundesveranstaltungen wie das Stiftungsfest organisieren.