Burschenschaften

Burschenschaften sind eine Form der Studentenverbindung, die sich größenteils auf die Prinzipien der Urburschenschaft von 1815 beruft. Die Mitglieder nennt man Burschenschafter, „Burschi“ oder „Burschenschaftler“ hingegen werden als abwertend verstanden. Alle Burschenschaften sind farbentragend, das heißt, sie haben charakteristische Farben, die bei Feiern getragen werden. Zudem ist die Studentenmütze (Couleur) obligatorisch. In der Regel sind Burschenschaften schlagend, nur christlich orientierte Burschenschaften lehnen die studentische Mensur aus ethischen Gründen ab.

Die Urburschenschaft

Die erste Burschenschaft entwickelte sich nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon, etwa 20 bis 50 Prozent aller deutschen Studenten hatten sich an den Kämpfen beteiligt. 1815 wurde in Jena die erste Burschenschaft gegründet, dies geschah unter Auflösung der bis dahin bestehenden Landsmannschaften. Aus den vier Landsmannschaften Thuringia, Vandalia, Franconia, Curonia kamen die Mitglieder – insgesamt 143 – der Urburschenschaft. Geistige Wegbereiter der neuen Studentenverbindung waren Turnvater Jahn, Ernst Arndt Moritz sowie dem Philosophen Johann Gottlieb Fichte. Die wichtigsten Werte der Urburschenschaft, die auch heute noch gelten, sind Ehre, Freiheit und das Vaterland. Von den Mitgliedern wurden Verantwortung für den Staat, Solidarität sowie Freiheitsrechte für den Einzelnen gefordert. Als eines der wichtigsten Ereignisse in der Entwicklung der Burschenschaften gilt das Wartburgfest. Auf diesem versammelten sich, anlässlich des 300. Jahrestags des Thesenanschlags von Luther sowie dem Sieg bei der Völkerschlacht, etwa 500 Studenten auf der Wartburg bei Eisenach. Ziel des Festes war Deutschland auf dem universitären Sektor zu vereinen. Es wurde ein politisches Programm entwickelt, das die Ziele enthielt. So wurden die Rede- und Pressefreiheit, die Gleichheit vor dem Gesetz, der Ausbau der Wehrkraft sowie die politische, religiöse und wirtschaftliche Einheit Deutschlands als wichtigste Eckpfeiler angesehen. Symbolisch wurden Bücher verbrannt, die als undeutsch und antinational empfunden wurden.

Weitere Entwicklung der Burschenschaften

Als Reaktion auf das Wartburgfest gründeten sich 1818 an vielen deutschen Universitäten Burschenschaften, die sich als Teil einer großen Burschenschaft verstanden. Diese Einheit wurde als „Allgemeine deutsche Burschenschaft“ schließlich auch formell gegründet. Ein weiteres Ereignis, das für die Entwicklung der Burschenschaften von Bedeutung war, ist das Hambacher Fest. Dieses war die Folge der Karlsbader Beschlüsse, die zum Ziel hatten, liberale Tendenzen zu überwachen. Burschenschaften durften teils nur noch im Geheimen arbeiten, in Bayern waren politische Veranstaltungen verboten. Auf dem Hambacher Fest, 1832, versammelten sich 30.000 Teilnehmer, um die Demokratie, Freiheit und Einheit Deutschlands zu fordern. Die Farben der Burschenschaften „Schwarz-Rot-Gold“, erstmals auch von Nicht-Studenten verwendet, wurden zum Symbol des Strebens nach Einheit. Später werden dieselben Farben zu denen des Deutschen Bundes, der Weimarer Republik und schließlich der Bundesrepublik Deutschland.

Bekannte Burschenschafter

Auch unter den Burschenschaftern finden sich hochrangige Mitglieder der Gemeinschaft, sie kommen aus allen Bereichen des Lebens. Carl Bosch, Psychiater und Erfinder des EEGs, etwa, war Mitglied der Burschenschaft „Arminia auf dem Burgkeller Jena“. Hans-Gerhard
Creutzfeld, Neurologe und Mitentdecker der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit ist ebenfalls ein Burschenschafter. Auch zu den Burschenschaftern gehören Hartmut Mehdorn, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn (Burschenschaft Frankonia Berlin), Ferdinand Porsche, der Dichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben und Gustav Stresemann, Reichskanzler und Außenminister.