Christliche Studentenverbindungen

Christliche Studentenverbindungen sind allesamt nichtschlagend, zudem stellen sie christliche Aspekte ins Zentrum ihres Gemeinschafts- und Verbindungslebens. Zum überwiegenden Teil sind sie katholisch, es gibt aber auch überkonfessionelle Verbindungen. In der Regel sind christliche Studentenverbindungen farbentragend. Bekanntestes Mitglied ist Papst Benedikt XVI., der während seines Studiums in Freising der Verbindung K.St.V. Lichtenstein-Hohenheim zu Freising-Weihenstephan beitrat.

Geschichte christlicher Studentenverbindungen

Christliche Studentenverbindungen entstanden als Gegenentwurf zu den bisherigen Studentenverbindungen. Viele Studenten vermissten das christlich-religiöse Element und wollten es zum Bestandteil ihres Gemeinschaftslebens machen. Infolge dieser Sehnsucht entstand 1836 die erste christliche Studentenverbindung – die Uttenruthia in Erlangen. Sie existiert bis heute und ist damit die älteste deutsche christliche Studentenverbindung. Die Uttenruthia verzichtete als erste Verbindung auf das Duell und die Mensur, eine damals revolutionäre Haltung. Zudem verbündeten sich die Mitglieder katholischer Verbindungen mit Offizieren, die aus der Armee entlassen worden waren, nachdem sie das Duell abgelehnt hatten. Bis heute lehnen alle christlichen Verbindungen die Mensur aus christlicher Überzeugung ab. Die Mitglieder schlagender Verbindungen bezeichnen sie deshalb auch abwertend als „Schlitzer“. Der ersten christlichen Studentenverbindung folgten viele weitere, es entstanden evangelische und katholische Formen. Der Großteil neuer Verbindungen gründete sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neu. Auch im 21. Jahrhundert entstanden noch neue Verbindungen.

Das Prinzip Religio

Allen Studentenverbindungen ist das Lebensbundprinzip gemein, es gilt auch für die christlichen Verbindungen. Es besagt, dass man über das Studium hinaus freundschaftlich verbunden bleibt und sich gegenseitig fördert und unterstützt. Daneben ist das Prinzip Religio das wichtigste Element. Es beinhaltet das Bekenntnis zum Christentum oder einer anderen Konfession. Meist genügt die Taufe oder das Bekenntnis zum Glauben als Mitgliedsbedingung. Dennoch wird die Beschäftigung mit den christlichen Werten als Bedingung gesehen. In einigen Studentenverbindungen wird das Prinzip Religio nicht explizit erwähnt. Ist es weniger stark ausgeprägt, genügt es als Mitglied, christliche Werte anzuerkennen. Zu diesen gehören die Einhaltung der Zehn Gebote und besonders die beiden Werte Nächstenliebe und Gottesliebe. Daneben werden Liebe und Hoffnung sowie die Barmherzigkeit als wichtige christliche Werte geschätzt. Als Ausdruck der Gottesliebe werden gemeinsam Gottesdienste besucht oder religionsspezifische Diskussionsabende organisiert. Auch religiöse Fortbildungsveranstaltungen werden besucht.

Dachverbände christlicher Studentenverbindungen

Die verschiedenen christlichen Studentenverbindungen sind in Dachverbänden organisiert. Neben rein katholischen Dachverbänden gibt es evangelische und ökumenische Dachverbände. Zu den drei wichtigsten Dachverbänden gehören der Schwarzburgbund, der Wingolfsbund sowie das Wartburg-Kartell. Im Schwarzburgbund, einem ökumenischen Dachverband, gilt der Wahlspruch „Gott, Freiheit, Vaterland“.Im Wingolfsbund sind insgesamt 4000 Mitglieder organisiert. Im Wartburg-Kartell sind evangelische Studentenverbindungen zusammengeschlossen, die Farben des Kartells sind violett-weiß.