Damenverbindungen

Damenverbindungen sind der Gegenentwurf zu den klassischen Studentenverbindungen, die nur Männer als Mitglied akzeptieren. Sie sind nur für Frauen zugänglich und lehnen allesamt den akademischen Fechtkampf (Mensur) ab. Manchmal werden sie auch als Studentinnenverbindung bezeichnet.

Die Entwicklung der Damenverbindungen

Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurden auch Frauen an Universitäten zugelassen. Schnell entwickelte sich auch bei den weiblichen Studenten der Bedarf nach Zusammenschlüssen. Die erste Damenverbindung wurde 1899 in Bonn gegründet, sie trug den Namen „Club der Namenlosen“, später benannte sich der Club in „Verein studierender Frauen Hilaritas“ um. Schnell folgten Neugründungen an anderen Universitäten. Anfangs übernahmen die neu entstanden Damenverbindungen das Regelwerk (Comment) der männlichen Studentenverbindungen, später passten sie den Comment auf ihre Bedürfnisse an. Anfangs war es Frauen noch nicht gestattet, an Feierlichkeiten der Universität teilzunehmen, erst ab 1927 durften Frauen gleichberechtigt mitfeiern. Bis zum Jahr 1922 gab es bereits 100 Damenverbindungen, es wurden die ersten Dachverbände gegründet.

Die 68er Bewegung und ihre Folgen

Die meisten der 68er Studenten sahen in Damenverbindungen ein Relikt aus der Vergangenheit, das sich an moderne Zeiten anpassen solle. So wurden etwa gemischte Bünde gefordert. Der Großteil der bestehenden Damenverbindungen lehnt dies jedoch ab. Dennoch wurden einige „akademische Turnvereine“ gegründet, bei denen beide Geschlechter Zutritt hatten, der sportliche Aspekt und das gemeinsame Hobby stand hierbei im Vordergrund. Viele Damenverbindungen fanden nicht mehr genug Mitglieder und lösten sich zeitweise auf, sie vertagten sich. Mitte der 70er Jahre war die Krise überwunden, es wurden neue Damenverbindungen gegründet. Heute sind Damenverbindungen als Teil des studentischen Zusammenlebens wieder weitgehend etabliert, es gibt derzeit circa 45 aktive Verbindungen. Jedoch werden Damenverbindungen bis heute nicht von den männlichen Studentenverbindungen als gleichwertig angesehen.

Tradition der Damenverbindungen

Schon immer waren Damenverbindungen besonders der Kritik ausgesetzt. Wenn sie einfach das Regelwerk der männlichen Studentenverbindungen übernahmen, galten sie als unkritisch. Passten sie das Brauchtum jedoch den weiblichen Bedürfnissen an, bedienten die Damenverbindungen meist die gängigen Klischees. Dennoch versuchten viele Verbindungen, das Brauchtum der Burschenschaften und Corps umzuändern, Liedtexte wurden feminisiert, wo dies nicht möglich war, wurden sie in der ursprünglichen Version beibehalten. Statt Bier gab es Sekt und Wein, die Zusammenkünfte waren meist formloser, die Aufnahmekriterien und -zeremonien weniger ernsthaft. Auch die meisten Damenverbindungen sind farbentragend, bei feierlichen Treffen und dem Besuch anderer Verbindungen wurden typische Couleurartikel getragen. Neben den klassischen Kleidungsstücken und Accessoires wie Mütze Schärpe, Farbnadeln und Bändern gibt es bei den Damenverbindungen aber zusätzlich Ohrringe, Kettenanhänger und Armbänder. Das Chargieren wird in der Regel in schwarzen Damensakkos oder Abendkleidern mit Schärpe in den Farben der Verbindung abgehalten. Beim Salut wird genickt.