Germania – Bund abstinenter Schüler

Die Germania, der Bund abstinenter Schüler war eine Schülerverbindung, die 1902 gegründet wurde. Zusammen mit anderen Bünden gab sie die Zeitschrift „Deutsche Jugend“ heraus. Der Bund abstinenter Schüler war Bestandteil der Abstinenzbewegung sowie Teil der Lebensreformbewegung. Mit ihren Ansichten und Zielen beeinflusste die Germania zusammen mit anderen Verbindungen die frühe Jugendbewegung.

Die Abstinenzbewegung

Die Abstinenzbewegung wurde auch als Temperenzbewegung bezeichnet, ihren Höhepunkt erreichte sie Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie war in dieser Zeit die bedeutendste Bewegung überhaupt. In Abstinenzvereinen trafen sich Gleichgesinnte, in der Schweiz waren teilweise bis zu 60.000 Menschen in solchen Vereinen tätig. Ziel war ein drogenabstinentes Leben, dabei wurde besonders auf den Alkohol Bezug genommen. Alkoholkonsum wurde als Ausdruck mangelnder Tugend bewertet, Ziel der Abstinenzbewegung war auch eine moralische Reform der Gesellschaft. Später brachte Gustav von Bunge sozialhygienische Argumente ein. Durch Alkohol würde die DNA geschädigt, sodass auch die Volksgesundheit gefährdet sei. Um 1900 herum wird die Abstinenzbewegung schließlich Bestandteil der nationalsozialistischen Rassenhygiene.

Die Lebensreformbewegung

Der Bund abstinenter Schüler war mit anderen Bünden Bestandteil der sogenannten Lebensreform, deren Leitmotto „Zurück zur Natur“ war. In der Meißner Formel sind zusätzlich alle Grundsätze der Lebensreform zusammengefasst. Ursprung dieser Forderung war die Kritik an der fortschreitenden Industrialisierung, Urbanisierung und dem Materialismus der Menschen. In der Lebensreform finden sich verschiedene Bewegungen, die jeweils andere Ausrichtungen und Ziele hatten. Innerhalb der Lebensreform finden sich beispielsweise die Naturheilkundebewegung, die Bewegung der Kleidungsreform, die Freikörperkultur sowie die Ernährungsreform. Letztere propagierte eine vegetarische Lebensweise, die chronischen Erkrankungen entgegenwirken sollte. Führende Vertreter waren Mediziner. Neben dem Verzicht auf Fleisch verzichteten die Ernährungsreformer auch auf Tabak, Kaffee, Alkohol und weißen Zucker. Es kam zu einer Massenflucht aus den Städten und der Gründung von Landkommunen.

Jugendbewegung

Auch als Folge der Lebensreform entstand die frühe Jugendbewegung, sie war besonders im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts erfolgreich. Es kam zu einer verstärkten Hinwendung zum Naturleben sowie die Rückbesinnung auf altes Kulturgut, besonders Volkslieder spielten eine wichtige Rolle. Die verschiedenen Bünde innerhalb der Jugendbewegungen trafen sich auf dem Ersten Freideutschen Jugendtag am Hohen Meißner 1913. Ziel des Treffens war einerseits alle verschiedenen Gruppierungen zusammenzubringen und andererseits innere und äußere Geschlossenheit zu symbolisieren. Sie versuchten sich zu einem Dachverband zu formieren – der Freideutschen Jugend. Auch der Bund abstinenter Schüler war Mitbegründer. Der Einigungsversuch gelang jedoch nicht.