Häufige Kritikpunkte zu Studentenverbindungen

In der allgemeinen Öffentlichkeit herrscht ein klares Bild von Studentenverbindungen sowie deren Mitglieder vor. In der Regel handele es sich dabei um saufende, rechtsextreme und frauenfeindliche Gesellen. Mittlerweile werden Mitglieder von Studentenverbindungen sogar öffentlich angegriffen, auf die Verbindungshäuser werden Steine oder Farbbeutel geworfen. Bei dem Marburger Marktfrühshoppen etwa müssen die Mitglieder inzwischen polizeilich geschützt werden.

Rechtsextremismus

Begriffe wie Heimat, Ehre und Vaterland wecken Assoziationen an nationalsozialistisches Vokabular und Gedankengut. Besonders die Dachverbände „Deutsche Burschenschaft“ und die „Burschenschaftliche Gemeinschaft“ stehen unter Beobachtung und müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie rechtsextreme Ideale verfolgen. In den 90er Jahren kam es aufgrund rechtsextremer Vorfälle sogar zu der Abspaltung und Neugründung der Neuen Deutschen Burschenschaft. Immer wieder stehen vereinzelte Burschenschaften unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Besonders die Burschenschaften sind bewusst politisch und beschäftigen sich mit Fragen der deutschen Einheit und der deutschen Nation. Auf die Traditionspflege legen sie alle Wert. Während die einen jedoch konservative Werte verfolgen und rechtsextreme Tendenzen haben, sind andere Verbindungen liberal, weltoffen und tolerant gegenüber allen Ethnien und Religionen. Unter den wenigen wirklich nationalistischen Studentenverbindungen leiden alle anderen.

Frauenfeindlichkeit

Heute sind die meisten Studentenverbindungen ausschließlich männlich, es gibt nur wenige gemischte Bünde. Die Verbindungen selbst begründen den Ausschluss von Frauen als Traditionspflege, die nicht gebrochen werden dürfe. Es entsteht jedoch der Eindruck, dass Frauen nur schmückendes Beiwerk sind, die nur bei Kommersen und Stiftungsfesten erwünscht sind. Die Männer selbst üben sich in kämpferischen Initiationsriten wie der Mensur, die als ritterlicher Kampf verstanden wird. Zugleich wirkt sie der Verweichlichung entgegen, es sind nur charakterstarke Mitglieder erwünscht, denn nur diese können sich im Leben behaupten.

Alkoholexzesse

Das sogenannte Kneipen ist noch immer fester Bestandteil des studentischen Verbindungslebens. Kneipen ist ein Ritual, bei dem Trinken im Mittelpunkt steht und dieses kann schon mal ausarten. Jedoch muss man sagen, dass junge Menschen auch privat gern dem Alkohol frönen. Beim „Koma-Saufen“, „Binge-Drinking“ oder dem „Flatrate-Saufen“ wird kommerziell getrunken, bis es nicht mehr geht. Nicht selten enden die Teilnehmer solcher Trinkgelage im Krankenhaus.

Vorteile im Berufsleben

Am schwersten zu entkräften ist der Vorwurf, dass es Mitglieder von Studentenverbindungen leichter im Berufsleben haben. Das sogenannte Vitamin A hilft auch Privatleuten beim Aufstieg in Führungspositionen, bei Korporierten ist dieser Einfluss noch viel stärker. Viele Verbindungen werben sogar mit dem ausgeprägten sozialen Netzwerk, in das man sich als Mitglied sicher legen darf. Grundlage dieser Vorteile ist das Lebensbundprinzip, das darauf beruht, dass die Alten Herren gezielt jüngere Studenten fördern. So entsteht nicht zu Unrecht der Eindruck einer akademischen Elite. Unterstützt wird der Eindruck durch die große Anzahl prominenter Mitglieder, unter denen sich Unternehmenschefs, hochrangige Politiker und Professoren befinden.